. Forschung
.. Reflexivität, Kritik und Revision von Wissen(schaft) in der Moderne
… Forschungsprojekte
Internationale Forschungsgruppe „GeschlechterGesellschaftsTheorien“
In der deutschsprachigen soziologischen Theoriebildung scheint die wechselseitige Bezugnahme von Gesellschaftstheorien und Geschlechterforschung verglichen mit dem englischsprachigen Diskurs bisher noch relativ am Anfang zu stehen. Ungeklärt ist hier nicht nur, welcher Status der Kategorie Geschlecht in der soziologischen Theoriebildung beizumessen ist, sondern auch, ob es sich dabei um eine Frage handelt, die in der Allgemeinen Soziologie angesiedelt ist oder aber die Frage im Feld einer neuen Speziellen Soziologie zu behandeln ist.
In der deutschsprachigen Frauen- und Geschlechterforschung wird ein Defizit im Hinblick auf die Befassung mit gesellschaftstheoretischen Fragestellungen wahrgenommen und dessen Bearbeitung gefordert. Die Forderungen gehen über die bereits vorhandenen, mehr oder weniger systematischen, Anknüpfungen an etablierte Theorien für die Analyse moderner Geschlechterverhältnisse ausdrücklich hinaus. Denn sie zielen auf theorieübergreifende, inter- und transdisziplinäre Fragen, die auch von der Soziologie geteilt werden, und verlangen, dass eine mehr oder weniger isolierte Anwendung gesellschaftstheoretischer Entwürfe auf Geschlechterverhältnisse überschritten wird.
Der hierfür favorisierte Weg wird in einem Dialog zwischen Gesellschaftstheorien und Geschlechterforschung zu umfassenden und gleichartigen Theorieproblemen gesehen, die von beiden Wissenschaftsrichtungen geteilt werden. Damit ist ein Forschungsprogramm benannt, das nur in einem größeren wissenschaftlichen Netzwerk adäquat bearbeitet werden kann.
Die Internationale Forschungsgruppe wurde im Februar 2007 im Rahmen einer ersten zweitägigen Arbeitstagung gegründet. Initiatorinnen waren Dr. Heike Kahlert und Prof. Dr. Andrea Maihofer mit Unterstützung von Katharina Pühl. Die Forschungsgruppe bestand bis 2018.
Mitglieder
Dr. Wibke Backhaus (Freiburg/Heilbronn), Dr. Stephanie Bethmann (Freiburg), Prof. Dr. Günter Burkart (Lüneburg), Prof. Dr. Nina Degele (Freiburg), Sophia Ermert (Berlin), Dr. Karolin Heckemeyer (Freiburg/Brugg-Windisch), Prof. Dr. Heike Kahlert (Rostock/Hildesheim/Bochum), Karsten Kassner (Berlin), Prof. Dr. Tomke König (Basel/Bielefeld), PD Dr. Marina Liakova (Karlsruhe), Prof. Dr. Andrea Maihofer (Basel), Dr. Inés Mateos (Basel), Dr. Gabriele Michalitsch (Wien), Prof. Dr. Julia Nentwich (St. Gallen), Katharina Pühl (Basel/Berlin), PD Dr. Renate Ruhne (Bern/Darmstadt), Dr. Anneli Rüling (Berlin), Prof. Dr. Annette Treibel (Karlsruhe), PD Dr. Christine Weinbach (Potsdam), Prof. Dr. Gabriele Winker (Hamburg/Freiburg)
Aktivitäten
Regelmäßige zweitägige Arbeitstreffen in halbjährlichem Abstand an wechselnden Orten (2007–2018)
„Ein- und Ausschlüsse – Zur Relevanz der feministischen Debatte über Privatheit und Öffentlichkeit in ausgewählten Gesellschaftstheorien“, Ad-hoc-Gruppe im Rahmen des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) „Geschlossene Gesellschaften“, Universität Bamberg, 26.–30. September 2016 (mit Günter Burkart)
„Privat/öffentlich: Gesellschaftstheoretische Relevanz einer feministischen Debatte“, 15. Internationale Arbeitstagung der Forschungsgruppe „GeschlechterGesellschaftsTheorien“ mit interessierten Kolleg*innen, Studienhaus Wiesneck in Buchenbach bei Freiburg, 22.–23. Mai 2014 (mit Wibke Backhaus, Stephanie Bethmann, Günter Burkart, Nina Degele, Karolin Heckemeyer, Inés Mateos und Christine Weinbach)
„Die paradoxe Gleichzeitigkeit von geschlechtlicher Gleichheit und Ungleichheit – Was leisten soziologische Theorien zu ihrer Erklärung?“, Ad-hoc-Gruppe im Rahmen des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) „Transnationale Vergesellschaftungen“, Goethe-Universität Frankfurt, 11.–15. Oktober 2010 (mit Christine Weinbach)
Die Gründung der Internationalen Forschungsgruppe geht zurück auf Impulse von zwei Ad-hoc-Gruppen im Rahmen von Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie:
„Die Organisation von Geschlecht und Generativität zwischen Re-Naturalisierungs- und Vergesellschaftungsprozessen – Analysen im Anschluss an Giddens und Foucault“, Ad-hoc-Gruppe im Rahmen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) „Die Natur der Gesellschaft“, Universität Kassel, 09.–13. Oktober 2006 (mit Anneli Rüling)
„Beharrungsvermögen und Wandlungstendenzen in den Geschlechterverhältnissen: Erkenntnispotenziale soziologischer Gegenwartstheorien“, Ad-hoc-Gruppe im Rahmen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) „Soziale Ungleichheit – kulturelle Unterschiede“, Ludwig-Maximilians-Universität München, 04.–08. Oktober 2004 (mit Andrea Maihofer)
Ergebnisse
Zur Publikation von Beiträgen zum Dialog zwischen Gesellschaftstheorien und Geschlechterforschung habe ich gemeinsam mit Christine Weinbach die Buchreihe „Gesellschaftstheorien und Gender“ begründet. Sie erscheint im Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften in Wiesbaden.
Die Ergebnisse der Internationalen Forschungsgruppe „GeschlechterGesellschaftsTheorien“ wurden in dieser Buchreihe publiziert:

Burkart, Günter, Diana Cichecki, Nina Degele und Heike Kahlert, Hrsg. 2022. Privat – öffentlich – politisch: Gesellschaftstheorien in feministischer Perspektive. Wiesbaden: Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kahlert, Heike, und Christine Weinbach, Hrsg. 2015. Zeitgenössische Gesellschaftstheorien und Genderforschung – Einladung zum Dialog. 2., aktual. Aufl. Wiesbaden: Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Rezensionen
Burbach, Christiane. 2016. socialnet, 11.01.2016. Link
Cyba, Eva. 2017. Soziologische Revue 40 (4): 494–509.

Kahlert, Heike, und Christine Weinbach, Hrsg. 2012. Zeitgenössische Gesellschaftstheorien und Genderforschung – Einladung zum Dialog. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Rezensionen
Späte, Katrin. 2013. querelles-net. Rezensionszeitschrift für Frauen- und Geschlechterforschung Nr. 4 (Dezember). DOI